Neulich auf dem Acker...

Unkraut, Beikraut, Kresseschnitte

Was macht eine Horde vergnügter GärtnerInnen an einem Samstag im Februar bei Minustemperaturen auf dem Acker? Richtig: Beikräuter ausreissen, kennenlernen, und aufs Butterbrot streichen. Hauptziel der Aktion war es, dem invasiven Neophyten Erigeron annuus (einjähriges Berufkraut) Herr (bzw. Dame) zu werden, der sich bei uns auf dem Acker bedenklich ausgebreitet hatte. An sich ist das Pflänzchen ja nicht unansehnlich, nur hat es die unangenehme Eigenschaft, pro Pflanze bis zu 50'000 Flugsamen zu produzieren, die sich dann mit dem Wind in der ganzen Umgebung verbreiten und mit ihrem dichten Wurzelwerk dem Gemüse und auch anderen Pflanzen das Überleben schwer machen. Fazit: Erigeron muss raus, und zwar, bevor er blüht. 

 

Berufkraut im idealen Jätzustand: Noch jung und ohne Blüten
Berufkraut im idealen Jätzustand: Noch jung und ohne Blüten
Ein paar vorwitzige Berufkräuter blühen gar bereits jetzt!
Ein paar vorwitzige Berufkräuter blühen gar bereits jetzt!

Emsig wurde Garette um Garette Berufkraut abtransportiert, und am Ende des Tages hatten wir zwei ansehnliche Säcke mit dem Kraut gefüllt.

Zum Glück wächst auf dem Acker nicht nur Erigeron, sondern noch eine Vielzahl anderer Beikräutlein:

Löwenzahn: essbar, lecker und gesund
Löwenzahn: essbar, lecker und gesund
Ehrenpreis
Ehrenpreis
Stumpfblättriger Ampfer (Blacke): Früher zur Sauerkrautherstellung genutzt
Stumpfblättriger Ampfer (Blacke): Früher zur Sauerkrautherstellung genutzt
Sauerampfer: säuerliche, knackige Blätter im Salat
Sauerampfer: säuerliche, knackige Blätter im Salat
Vogelmiere: Jung geerntet zart nussig im Salat
Vogelmiere: Jung geerntet zart nussig im Salat
Spitzwegerich: Herbes Kräutlein im Salat, für Hustensirup
Spitzwegerich: Herbes Kräutlein im Salat, für Hustensirup
Vergissmeinnicht: Blaue Blümchen für Verliebte
Vergissmeinnicht: Blaue Blümchen für Verliebte
Vielstengeliges Schaumkraut: Die Gratiskresse auf dem Acker
Vielstengeliges Schaumkraut: Die Gratiskresse auf dem Acker
Schaumkraut-Butterbrot gibt Kraft fürs Erigeron-Rupfen
Schaumkraut-Butterbrot gibt Kraft fürs Erigeron-Rupfen

Vorsorgen fürs nächste Jahr

Wer jetzt über die Felder geht, entdeckt überall blühende Pflanzen und reifende Samen. 

Machen wir uns unabhängig und gewinnen wir unser Saatgut fürs nächste Jahr selbst! Da auf dem Acker ausschliesslich samenfestes Saatgut  (also keine F1-Hybriden) verwendet wird, kann man davon ausgehen, dass aus den Samen nächstes Jahr wieder die gleichen Pflanzen wachsen. Das ist doch schön zu wissen!

Allerdings ist die Sache doch etwas kniffliger. Sind die Pflanzen nämlich Fremdbefruchter, kreuzen sie sich untereinander und dann kann es nächstes Jahr bei der Aussaat doch wieder zu Überraschungen kommen. Hier braucht man dann spezielle Techniken, muss Blüten abbinden und menschliches Bienchen spielen und solche Sachen. Dazu aber später.

Von den sogenannten Selbstbefruchtern kann man zum Glück problemlos Samen gewinnen. Es sind dies zum Beispiel:

  • Salat
  • Tomaten
  • Gartenbohnen

Salatsamen ernten ist besonders einfach. Lässt man den Salat wachsen, "schiesst" er irgendwann auf und bildet einen schönen, grossen Blütenstand. In diesem Stadium ist er froh um eine Stütze. Am besten nimmt man zur Saatgutgewinnung den allerschönsten Salatkopf der als letztes in Blüte geht...also etwas kontraintuitiv, da man gerade dieses Exemplar natürlich am liebsten in die Schüssel hauen würde. Aber wir betreiben hier natürlich auch Selektion, und wir wollen ja nur das beste Saatgut fürs nächste Jahr. Vor allem: es lohnt sich, sich den schönsten aller Salate für die Saatgutgewinnung aufzusparen. Das Saatgut von einem einzigen Kopf reicht dann nämlich locker für die nächsten paar Jahre...

Tomatensamen ernten ist auch was ganz Feines. Und das beste daran: Die Tomate, aus der man Samen gewonnen hat, darf man danach auch aufessen. Für einmal muss man sich also nicht entscheiden. 

Für die Saatgutgewinnung kommen nur vollreife, schöne Exemplare in Frage. Natürlich eignen sich dafür auch Tomaten vom Markt - nur kurz nachfragen, ob es sich um eine samenfeste Sorte handelt. 

  1. Tomate halbieren, Samen mitsamt der glibbrigen Masse drumherum herauslöffeln. In ein Gläschen geben. Falls wenig Saft vorhanden ist, etwas Wasser zufügen
  2. 2-3 Tage warten. Es darf stinken und sogar schimmeln. Schimmel aber dann vor der Samenreinigung rausfischen
  3. Die Samen haben sich nun aus ihrer Gallerthülle gelöst und sind auf den Boden gesunken. Nun einfach absieben und auf einem Haushaltspapier ausstreichen. Sobald das Saatgut trocken ist, wegkratzen und in einem Tütchen aufbewahren. So gewonnenes Saatgut ist hoch keimfähig und ein paar Jahre haltbar! 

Oooh Zucchetti!

Auf dem Acker ist die Zucchettischwemme ausgebrochen...und zwar mit vollem Karacho. Jede Woche ernte ich von meinen 2.5 Pflanzen mindestens 5 Früchte, darunter sicher eine mit ziemlich unanständigem Ausmass. (Für ganz Findige: auf dem Bild hat sich auch noch ein Gürkchen reingeschlichen - wer siehts?). Da alle Schulklassen in den Ferien sind, häufen sich die schmackhaften Keulen auf den Schulparzellen erst recht, und kein Fussgänger darf ohne ein persönliches Präsent, frisch vom Acker, von dannen ziehen. Die Strasse an unserem Acker ist mittlerweile sicher schon berühmtberüchtigt.

Der Acker präsentiert sich aber auch sonst gerade in vollster Erntepracht: Tomaten, Gurken, Bohnen, Krautstiel, Salat - alles wächst üppig, und gemüsemässig kommt man momentan gut ohne Supermarkt über die Runden, und Freunde, Onkels und Tanten gleich dazu.

 

Für alle Zucchettifans (und ahnungslose Passanten, die nun mit ihrem Prachtsexemplar zuhause sitzen, und nicht recht wissen, was nun mit einer solch überdimensionierten Frucht anzufangen sei), hier das patente und überraschend ausgefallene (Curry!) Rezept meiner Grosseltern, die in ihrem Schrebergarten Jahr für Jahr Zucchetti in rauen Mengen zu verarbeiten hatten. Aber Achtung: Der ganze Prozess nimmt 4 Tage in Anspruch. Es lohnt sich.

 

Süss-saure Zuchhetti (Originell und lange haltbar - so lautet der Untertitel im Originalrezept)

 

Zutaten

  • 3 kg Zucchetti 
  • 3 Zwiebeln
  • 100 g Salz
  • 6 dl Weissweinessig
  • 6 dl Wasser
  • 500 g Zucker
  • 3-5 TL Currypulver 
  • 1/2 TL Pfefferkörner

Tag 1:

Zucchetti halbieren und wenn nötig entkernen (nötig heisst, sobald die Kerne hart und riesig und das Innere der Früchte "fluffig" geworden ist). In 3mm dicke Scheiben schneiden. Zwiebeln in Ringe schneiden. Beides mit dem Salz vermischen vermischen und zugedeckt stehen lassen.

 

Tag 2:

Zucchettimischung gut mit Wasser spülen und abtropfen lassen. Alle Zutaten ab Weissweinessig aufkochen und diesen Sirup über die Zucchetti giessen. Wiederum stehen lassen.

 

Tag 3: 

Zucchetti abgiessen, Sirup auffangen, nochmals aufkochen und wiederum auf die Zucchetti giessen. Stehen lassen. 

 

Tag 4: 

Alles zusammen aufkochen, 2 min. köcheln lassen und in saubere, heiss ausgespülte Gläser füllen. Die Zucchetti müssen ganz bedeckt sein, eventuell noch etwas Sirup nachkochen. Gläser sofort gut verschliessen.